Wichtelgeschichte Teil 5 ★

24. 12. 2013

Heute ist Heiligabend ★

Unsere Wichtelgeschichten gehen nun zuende. Es war eine schöne Aktion, ich habe Judys Erzählung so gerne gelesen und das Schreiben hat mir auch unheimlich viel Spaß gemacht.

Ich hoffe wir können das im nächsten Jahr wiederholen. Ein großer Dank geht an meinen Freund, der mir mit den Spielzügen geholfen hat und mich damit auf den Ausgang meiner Geschichte gebracht hat (weil er Schach spielen kann –  ich weniger)

Aber nun folgt erst mal das FINALE meiner Wichtelgeschichte, viel Spaß dabei ♥

 

Teil 5: Die Wandlung

Könnt ihr Schach spielen? Ich habe es natürlich als Kind gelernt, um die Natur von Fortuna besser begreifen zu können. Seit dem Tag meiner ersten Lehrstunde bin ich dem Spiel verfallen. Vielleicht ist diese Neigung etwas, das man mir in mein Erbgut eingepflanzt hat – die Möglichkeit besteht theoretisch. Für mich ist das Spiel jedenfalls wie ein lieber Freund aus stillen Kindertagen. In meinem Zimmer steht ein sehr altes Spielbrett, an dem wohl alle Träger des Rades geübt haben. Mein Vorgänger war am Ende entweder zu krank zu spielen oder es war ihm nicht so wichtig. Jedenfalls war das Spiel unter einer dicken Staubschicht begraben, als ich das Zimmer bezog. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich die Schicht herunter blies – es war als würde das Holz aufatmen.

Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass das Spielbrett mir zuflüstert und mir den richtigen Weg für meine Figur offenbart. Egal gegen wen ich spiele, ich gewinne meistens. Im Kloster bringen sie uns Bescheidenheit bei, aber ich brauchte keine Bescheidenheit, als ich meinen Plan ausarbeitete. Fakten und kühle Berechnungen würden hier den Sieg erringen und um ehrlich zu sein, es gab keinen besseren Spieler als mich. Also war es nur logisch, dass ich den Hauptteil in meinem Plan übernahm.

Auf meinem Ausflug in die reale Welt hatte ich nicht die gewünschten Antworten gefunden, aber es gab durchaus Nachforschungen, die ich vom Kloster tätigen konnte. Zum Beispiel die Namen früherer Spieler, die man mir gebracht hatte. Ihren sozialen Rang, Vermögen sowie den Ausgang ihres Spiels; und – ganz wichtig – die Züge, die zu ihre Tod geführt hatten. All dies verriet mir, dass der Betrug viel weiter ging, als ich zunächst gefürchtet hatte. Das Spiel wurde die ganze Zeit über manipuliert. Die Züge des Computers spielten dem menschlichen Spieler in die Hände und dieser wusste genau, WELCHE Figuren er entsorgen musste.

Wenn ich genug Zeit gehabt hätte … ich schwöre ich hätte versucht, diesem Treiben ein Ende zu setzen. Doch Helenas Spiel begann in Kürze und ich konnte sie nicht einem falschen System überlassen! Also machte ich mich ans Werk.

Wie reinigt man ein verdorbenes Beet, das nicht mehr fruchtbar ist? Man reißt die faulen Blumen heraus, die es vergiften. Genau das beabsichtige ich zu tun.

In unserem Spiel sind alle Figuren den Regeln unterworfen, bis auf die Könige. Sie tragen keine Namen. Der weiße König symbolisiert den Supercomputer, der schwarze den menschlichen Spieler, ihr erinnert euch? In den letzten Jahren wurde der menschliche Part stets aus den Reihen der Regierung zur Verfügung gestellt. Sie wechseln sich reihum ab, könnte man sagen, und damit sind sie auf der sicheren Seite. Keine Namen, keine Tote, so läuft das Spiel. Nun keine Namen, keine Zwänge, das dachte ICH mir. Dieses Mal würde es kein Spieler aus der Regierung sein, das war ja keine Regel. Nein dieses Mal war ich der Spieler und ich erhöhte den Einsatz enorm.

Das System nimmt nur Figuren mit Namen aus dem Register, was gleichbedeutend mit ihrem Tod ist. Hat das Spiel erst mal begonnen, kann keiner diesen Mechanismus aufhalten. Was also wenn auch der weiße König einen Namen bekommt? Dann muss er bei einem Schachmatt sterben, selbst wenn es eine Maschine ist. Der Computer müsste sich also selbst zerstören, um die Regeln nicht zu verletzten, nach denen er programmiert wurde. Soweit zumindest meine Theorie.

Dem Computer heimlich einen Namen einzuprogrammieren und auf die Spielfigur gravieren zu lassen war einfach. Ich bin darin ausgebildet. Größere Probleme bereitete mir der Weg hinauf nach Morta, wo das Spiel ausgetragen wurde. Ich würde sagen, zu diesem Zeitpunkt begann mein Morden. Ich tötete keinen der Menschen mit eigener Hand, das taten die Söldner, Kapitäne und all die anderen Menschen, die ich für meine Zwecke bestochen hatte. Sie brachten mich unbemerkt nach Morta, wo ich mich schließlich im Spielsaal einschließen konnte, bis das System aktiviert wurde.

Das ist nun schon zwei Jahre her. Seitdem spielen wir diese Partie und es sind noch mehr Menschen gestorben. All jene, die ich für meine Züge geopfert habe.

Ihr seht, ich bin kein guter Mensch. Aber ich bin ein Mensch, der Hoffnung hat. Hoffnung, dass der Tod eines alten Systems die Welt zum Besseren wenden kann. Hoffnung, dass ein Mädchen diese neue Welt formen kann, wenn sie die Chance dazu erhält. Denn darauf läuft alles hinaus. Ein kleiner Bauer kann die ganze Welt verändern, wenn man ihn lässt. Wenn man dafür genug opfert. Spielfiguren, zu Beispiel.

Die ganzen zwei Jahre habe ich diese Taktik angewandt und meinen kleinen Bauern beschützt. Wenn ihr Schach kennt, dann wisst ihr vielleicht, dass es einen Spielzug gibt, der sich „Wandlung“ nennt. Wenn ein Bauer das gesamte Spielfeld überquert, dann wird er nach den Regeln zur Königin umgewandelt. Die Königin hat keine Zugbeschränkung, sie kann in alle Richtungen ziehen und ist darum eine machtvolle Figur, wenn sie richtig platziert ist. Es war ein Risiko zu hoffen, dass ich ausgerechnet diesen Bauern hinter die feindlichen Linien bringen kann, aber wie es nun aussieht …

In wenigen Minuten werden sich die Türe automatisch öffnen, weil das Spiel vorbei ist. Egal wie es ausgeht, ich werde bestraft. Das war mir immer klar.

Ich nehme den kleinen schwarzen Bauern in die Hand und zwischen meinen Fingern wächst er in die Höhe, bekommt eine Krone. Ein Lächeln umspielt meine Lippen.

„SCHACHMATT!“

schachmatt

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Frohe Weihnachten 2013 ★

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One Response to “Wichtelgeschichte Teil 5 ★”

  1. Judy 24. Dezember 2013 at 08:54 #

    *pappt 5 goldene Sterne dran*
    Es hat mir sehr gut gefallen und es ist auch logisch geworden! Mochte auch sehr den Erzählstil und Yupiter war sympathisch, was natürlich sehr wichtig ist ^^v
    Fand das auch mit den drei Planeten eine gute Idee und das Ende gefällt mir sehr…hatte ja, obwohl ein halbes Happy End, beinahe geheult^^

    Danke, danke für den tollen Lesegenuss und ich hoffe wir kommen nächstes Jahr auch dazu! *knuddelt*

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