Wichtelgeschichte Teil 2 ★

08. 12. 2013

Teil 2: Das Volk der Nornen

Alles begann vor gut tausend Jahren (so steht es in den Aufzeichnungen). Damals kamen unserer Vorfahren von der alten Erde in dieses Sonnensystem. Es waren Pilger auf der Suche nach einem Neuanfang. Als sie hier ankamen, fanden sie zu ihrer Freude gleich drei bewohnbare Planeten vor und damit genug Platz, um ihr gesamtes Volk darauf anzusiedeln. Sie tauften die drei Planeten, die auf einer gemeinsamen Umlaufbahn um die große Sonne kreisten, Nona, Decima und Morta oder zusammen „Die Drei Nornen“. Das ist der Ort, den ich mein Zuhause nenne.

Die Nornen waren allerdings nicht uneingeschränkt gute Gastgeberinnen. Jede der Schwestern ist flächenmäßig viel kleiner als die Erde und nicht jedes Gebiet ist auch bewohnbar. Ein weiteres Problem sind Vegetation und Klima. Wie ich bereits erwähnt habe, regnet es auf Nona, der kleinsten der drei Schwestern, über die Hälfte des Jahres und die Sonne lässt sich auch nur selten blicken. Das macht Ackerbau sehr schwer, weil ein Großteil der Ernte weggespült wird, wenn überhaupt etwas angeht ohne die nötigen Sonnenstrahlen. Natürlich ziehen wir hier und da Gemüse aus dem Boden, aber die Erträge sind spärlich und klein und würden nicht ausreichen, unser gesamtes Volk zu ernähren. Was die kleine Nona dafür im Überfluss hat, sind Bodenschätze. Auf den ersten Blick glaubt man gar nicht, dass diese Ödnis Diamanten im Bauch hat. Doch jedes Kind, das seine Eltern schon einmal in die Minen begleitet hat, kennt die funkelnden Erze, die dort abgebaut werden. Wir gewinnen auch Eisenerz und Kohle, alles Dinge, die unsere Gemeinschaft braucht, auch wenn man sich damit nicht den Bauch füllen kann.

Auf Decima ist das Klima zum Glück gemäßigter, hier stehen Regen und Sonne in einem guten Verhältnis zueinander und lassen die Gärten und Felder blühen. Dies ist der Ort, an dem unsere Nation ihre Nahrung produziert. Und obwohl Decima größer ist als meine Nona, leben hier viel weniger Menschen. Die meisten Gebiete werden von Feldern, Obstgärten und Weideland eingenommen, denn nirgendwo sonst können wir so viel Nahrung produzieren. Nicht mal auf Morta, der größten Schwester, die der Sonne am meisten zugewandt ist. Es ist eigentlich Ironie, dass ein so schöner und blühender Planet keine essbaren Früchte hervorbringt – aber so ist es. Morta ist ein einziger Garten, voller exotischer Blumen und klarer Flüsse, in denen sich das gelbe Licht der Sonne bricht. Aber hier gelten andere Naturgesetze. Kein Saatgut, das unsere Vorfahren mitgebracht haben, kann hier wachsen und die einheimischen Pflanzen sind giftig für uns; selbst nach Jahrhunderten haben sich unsere Körper noch nicht an die fremden Pflanzen gewöhnt.

Darum kommt es, dass die meisten Menschen auf Nona leben, während Decima für uns alle Nahrung produziert. Morta ist zum Sitz unserer Regierung geworden. Dort, wo die Sonne alles erhellt, werden unsere Entscheidungen getroffen, Künste gepflegt und Götter angebetet. Alle Priester, die ins Arbeiterviertel nach Nona gesandt werden, um dort für unser Seelenheil zu beten und die Bevölkerung zu unterstützen, kehren irgendwann wieder nach Morta zurück, um Bericht zu erstatten. Die restlichen Menschen verlassen Nona jedoch nie – zumindest nicht offiziell.

Denn wir werden alle mit einem Schicksal geboren, das wir nicht ändern können. Man tätowiert es uns am Tage unserer Geburt ein: Eine grüne Hand für die Ackerbauern, eine Obstblüte für die Plantagenbetreiber, eine Spitzhacke für die Minenarbeiter und so geht es weiter. Die meisten Zeichen sieht man häufig, besonders auf den unteren Planeten. Es gibt unzählige Minenarbeiter, viele Weber und noch mehr Bauern, aber mein Zeichen, das sieht man in jeder Generation nur ein einziges Mal. Es  ist ein Rad mit vielen Speichen. Die Alten nannten es: das Rad der Fortuna.

 

Ihr sucht Teil 1? Hier entlang *.¸¸.•*¨`•»—

 

One Response to “Wichtelgeschichte Teil 2 ★”

  1. Judy 8. Dezember 2013 at 07:29 #

    COOL!!!!!!!!!!! Ich mag Yupiter und die Weltkonzeption und deinen Schreibstil eh! :)
    *hibbelt nun eine Woche rum >_<* ♥ ♥ ♥

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